Montag, 13. November 2017

Besser spät als nie: der Bulli wird verkuppelt!


Auch wenn so ein Transporter schon ein ziemlich geräumiges Fahrzeug ist, gibt es trotz allem noch oft genug das Problem eine wirklich sperrige oder schmutzige Ladung zu transportieren. Dann ist eine Anhängekupplung das Mittel der Wahl gegen die meisten Transportprobleme. Genau aus dem Grund soll dieser VW T4 Allstar heute verkuppelt werden. Schrauben wirs an.


In anbetracht des Alters und der Laufleistung stellt sich der eine oder andere Leser vielleicht die Frage warum man sich die Arbeit überhaupt noch machen sollte eine Kupplung nachzurüsten und nicht einfach ein passendes Vehikel mit passender Ausstattung kauft. Dafür gibt es drei gute Gründe; erstens sind diese alten Bullis immer noch verdammt teuer so das ein Ersatzauto nicht unbedingt wirtschaftlich wäre, zweitens ist es speziell bei diesen "Nutzfahrzeugen" ein echtes Glücksspiel wie sehr der Antriebsstrang durch viele Fahrten mit schwerer Ladung und Anhängern belastet wurde. Nic kann aus eigener Erfahrung bestätigen das die (Automatik)-Getriebe im T4 einfach unterdimensioniert sind. Ohne AHK am Auto können wir zumindest davon aus gehen das dieser Bulli nicht ganz so hart arbeiten musste. Der dritte und beste Grund für eine Nachrüstung; die Teile sind gebraucht günstig verfügbar und die Installation ist eigentlich auch kein großer Akt.


Ganz in unserer Nähe befindet sich wie durch Zufall ein Autoverwerter der auf VW Bullis spezialisiert ist. Ein Anruf und schon können wir eine neue alte gebrauchte originale starre VW/Westfalia Anhängekupplung samt 7Pol Elektrosatz abholen. Ein neues Blinkerrelais gibts gratis oben drauf und wo man schon mal da ist, werden direkt noch ein paar andere Kleinteile mit erworben. Mal abgesehen davon das die Passform bei einem Originalteil wohl über jeden Zweifel erhaben ist, hat die serienmäßige AHK einen weiteren Pluspunkt der in Zukunft vielleicht noch von Nutzen sein könnte; es gibt vom Hersteller eine Freigabe (abhängig von der Motorisierung und weiteren Details) für bis zu 3000kg gebremste Anhängelast. Damit gibt es diesseits eines größeren Geländewagen oder Lieferwagen keine anderen Pkw die so viel ziehen dürfen. Gut zu Wissen.


Bevor auch nur der kleinste Trailer gezogen werden kann, muss die Kupplung erstmal an den Wagen gebaut werden. Dazu sind die originalen Halterungen vom Stoßfänger auszubauen und gegen die Traverse der Kupplung zu tauschen. Im Grunde das selbe Prozedere wie bei den Passat 35i, Audi A4 B5 und Golf II. Eine der wirklichen guten Lösungen von VW - es müssen keine zusätzlichen Löcher ins Blech gebohrt werden. Vier der Sechs notwendigen Schrauben sind bereits für die originalen Stoßfängerhalterungen vorhanden und können recycelt werden.


Um an diese Halter herran zu kommen muss als erstes die Nebelschlussleuchte ausgebaut werden, nicht dass wir noch die Kabel abreißen. Dann sind die vier Schrauben am Mittelteil des Stoßfängers zu lösen, zwei oben mit Plastikstopfen und zwei von unten. Sollte eine der (vermutlich) völlig verrosteten Schrauben abreißen ist das kein großer Verlust. Einfach neue Schrauben im Baumarkt besorgen und später an die neue AHK-Traverse Schrauben. Neben den Rückleuchten sitzt jeweils noch ein Spreizdübel den man einfach raus hebeln kann sobald der Stift in der Mitte eingedrückt wurde. Nun kann der Stoßfänger nach hinten weg gezogen werden. Links und Rechts sind die Plastik-Ecken auf entsprechende Gegenstücke an der Karosserie aufgeschoben. Da das Teil doch relativ sperrig ist empfehle ich für die Demontage einen Helfer.


Viel mehr müssen wir gar nicht aus dem Weg schaffen um an die wichtigen Teile zu kommen, lediglich das Ersatzrad - sofern vorhanden - muss noch weg. Ich hoffe sehr das der Fahrer dieses T4 zu jeder Zeit eine Knarre und 19mm Nuss dabei hat, ansonsten wird ein Radwechsel bedeutend länger dauern um die beiden ellenlangen Schrauben vom Reserveradhalter herraus zu drehen und an den Reifen zu gelangen. So sind die vier dicken Schrauben entlang der Stoßfängerhalter gut zugänglich. Wobei zumindest bei diesem Wagen noch eine dicke Schicht Unterbodenschutz von den Schraubenköpfen entfernt werden musste um überhaupt Werkzeug aufsetzen zu können. Auf der Beifahrerseite muss zusätzlich zum eigentlichen Halter (mit der Abschleppöse) noch das innenliegende Verstärkungsblech entnommen werden - das liegt nur lose auf und wird nicht mehr benötigt.


Jetzt folgt der wirklich zeitintensive Arbeitsschritt; die Auflagefläche der AHK entlang der Längsträger muss vollständig von Wachs und Unterbodenschutz befreit werden. Andernfalls kann sich die Kupplung unter Umständen bewegen und die Schrauben losrappeln. Auf der Fahrerseite ist dabei der Endschalldämpfer ziemlich im Weg. Ich empfehle die beiden Halter abzuschrauben und das Teil ein Stück tiefer hängen zu lassen - aber passt auf dass die anderen Haltegummis nicht abreißen. Gegen den dicken Unterboden und Steinschlagschutz hilft die Fächerscheibe auf dem Winkelschleifer nur bedingt, das Zeug wird einfach flüssig durch die Hitze und schmiert alles voll. Dann doch besser den Heißluftfön und Spachtel rausholen und damit alles abkratzen. Anschließend kommt ein neuer Anstrich mit Rostschutzfarbe über alles - nicht dass der Wagen ausgerechnet hier anfängt zu rosten.


Apropos Rost, da die Kupplung noch ein bisschen älter ist als unser T4 ist, hat der Rost hier schon ordentlich gewütet. Damit die Kontaktfläche zwischen Kupplung und Längsträger am Auto nicht munter weiter rosten kann, kommt die Fächerschleifscheibe zum Einsatz. So ist das Metall wieder blank und die Rostschutzfarbe sollte für die kommenden Jahre ihre Aufgabe erfüllen den Rost abzuhalten. Dieses Mal wird es dennoch keine komplette Neulackierung wie bisher, so viel sieht man von dem Teil hinterher doch nicht und bei der Materialdicke kann der Rost keinen großen Schaden anrichten. Sobald die Farbe trocken ist kommt die Traverse in die Aufnahme am Fahrzeug und wird mit insgesamt sechs Schrauben befestigt. Das Anzugsdrehmoment bei dieser Westfalia Kupplung beträgt 100NM. Da die Kugelstange und Steckdose schon montiert waren, müssen wir uns hier nicht weiter aufhalten.


Da dieser Bulli hauptsächlich nur einen bestimmten Anhänger ziehen soll und dieser nur einen 7Pol Stecker hat, wird der vorhandene 7Pol-Elektrosatz der gebrauchten Kupplung so wie er ist entlang des originalen Kabel zum rechten Rücklicht gezogen. Unterhalb des Rücklicht befinden sich zwei Kabeldurchbrüche in der Karosserie, die wir nutzen können um in den Kofferraum zu gelangen. Zur Erleichterung haben wir das Rücklicht ausgebaut - es sind nur drei Schrauben und ein paar Halteklammern. Auf der Rückseite des Lampenträgers können die originalen Stecker vom Elektrosatz einfach eingestöpselt werden und alles funktioniert. Nur noch den Masseanschluss festschrauben (Massepunkt liegt direkt neben dem Rücklicht) und die Steckdose ist angeschlossen. Das neue Blinkerrelais für den Anhängerbetrieb wird im Sicherungskasten an Stelle des originalen (grünen) Relais eingebaut. Obwohl es scheint als ob die Leitung für der externen Blinkerkontrollleuchte im Sicherungskasten bereits vorhanden ist, befindet sich im Armaturenbrett keine entsprechende Leitung. Daher bleibt wohl nichts anderes übrig als eine fliegende Leitung und eigene Kontrollleuchte zu montieren.


Bevor die Stoßstange zurück ans Auto darf, wird jetzt erstmal die korrekte Funktion der Anhängersteckdose kontrolliert. Nicht das irgendwo eine Leitung defekt ist und wir die ganze Arbeit nochmal haben. Mit dem Lichttestkoffer an der Steckdose, lässt sich alles ganz bequem durchtesten. Bis auf die (optionale) Abschaltung der Nebelschlussleuchte am Zugfahrzeug, denn darauf haben wir in diesem Fahrzeug verzichtet - der besagte Anhänger für diesen Wagen hat ohnehin keine entsprechende Leuchte montiert. Dann können wir wieder unseren Helfer dazu holen und den Stoßfänger ans Auto stecken. In diesem Fall war die Aussparung für die Kugelstange bereits vom Werk ausgeschnitten(!), so dass wir direkt alles final festschrauben können.

Damit ist wiedermal ein Auto im SZK neu verkuppelt worden. Wie man sieht ist es niemals zu spät dafür. Hoffen wir mal dass der Haken in Zukunft gute Dienste tut und der Motor trotzdem noch genug Dampf hat.   

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